Dicht an dicht stehen die alten Lorbeernäume

Der Lorbeerwald von Madeira – Vereda do Fanal

Als ich zum ersten mal davon las, dass es in Madeira einen mystischen Lorbeerwald gäbe, wusste ich: Da muss ich hin. Für meinen vorletzen Tag auf der Insel sollte es also der Vereda do Fanal werden, den ich bereits einige Tage vorher erfolglos gesucht hatte. Mit etwas mehr Vorbereitung klappte es schließlich doch und ich konnte im Lorbeerhain spazieren gehen.

Einmal über den Wolken stehen

Der Vereda do Fanal

Entgegen der Empfehlungen, frühmorgens den Nebel zwischen den alten Bäumen einzufangen, um mystische Fotos zu schießen, fuhr ich erst mittags auf die Hochebene und wurde mit strahlendem Sonnenschein und einer fantastischen Aussicht bis hinunter auf die Südseite der Insel belohnt. Auf der Nordseite hingegen konnte ich dicke Wolkenbänder von oben beobachten. So eine Gelegenheit bietet sich sonst nur aus dem Flugzeug. Umso begeisterter war ich, als sich ein Wolkenband gerade über die darunterliegende Stadt schob und ich genau das von einem der zahlreichen Aussichtspunkte des Vereda do Fanal fotografieren konnte. Schon ein bisschen irre, über den Wolken zu stehen und kilometerweit ins Tal hinunter zu blicken…

Wolkenbänder ziehen sich übers Tal

Ich war begeistert und so machte mir die Hitze wenig aus. Ich wollte mehr davon sehen und kämpfte mich wacker den Berg hoch. Denn entgegen der Wanderbeschreibung startete ich irgendwo am Ende des Weges und nicht wie angezeichnet auf der Hochebene Paul da Serra. Gut, dachte ich mir, dann ist später der Abstieg leichter. Zugegeben, ganz schaffte ich die 8 km bis nach oben doch nicht.

Unterwegs stolperte ich über meine eigenen Füße und fand mich der Länge nach auf dem Waldboden wieder. Aua. Die Knie waren leicht aufgeschlagen, der Knöchel etwas verdreht und der Schock saß. Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, stellte ich fest: Nichts passiert. Kein Blut, der Knöchel wieder in Ordnung und auch meine Ausrüstung hatte keinen Schaden genommen. Glück gehabt. Doch ich merkte, dass es Zeit wurde, achtsamer zu wandern und auf die Signale meines Körpers zu hören. Ich entschied mich abzukürzen und der Straße bis zum Auto zurück zu folgen.

Die Straße führt zum Parkplatz PR13 - Vereda do Fanal

Der Lorbeerwald

Es muss wohl eine innere Stimme gewesen sein, die mir sagte, dass ich das Auto links liegen lassen sollte und doch noch einmal zum Häuschen am Ende der Querstraße schauen sollte. Vielleicht war es auch nur meine Neugier, doch egal was mich schlussendlich an diesen Ort geführt hatte: Danke! Denn plötzlich stand ich in Mitten des vielbeschriebenen Lorbeerwalds von Madeira. Dort standen sie, die alten, moosbewachsenen Lorbeerbäume. Mitten auf einer Heide. Ich entdeckte einige Wanderer, die unter den großen Bäumen Picknick machten und tat es ihnen gleich, bevor ich mich aufmachte und die Gegend erkundete.

Der Lorbeerwald von Madeira

Nach einer kleinen Verschnaufpause streifte ich durch die alten Bäume, atmete die würzige Luft ein und konnte es mir natürlich nicht verkneifen eines der Blätter abzuzupfen und den holzigen Geruch nach frischen Lorbeer zu genießen. Fantastisch.

Ich weiß nicht wie lange ich zwischen den Bäumen hindurch streifte, doch als ich mich entschloss aufzubrechen, waren alle anderen Wanderer verschwunden und ich alleine. Das machte mir gar nichts aus. Zufrieden fuhr ich ins Tal hinunter. Der Sturz war, bis auf die blaue Erinnerung an den Knien fast vergessen.

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