Levada 25 Fontes & Levada do Risco

Levada 25 Fontes – Das erste Mal Levada-Wandern

Entgegen aller Horrorgeschichten, die man vom Landeanflug auf Madeira hört, hatten wir eine butterweiche Landung. Man hörte fast das Lachen und die Freude darüber aus der Pilotenstimme bei der Verabschiedung. So butterweich wie ich auf Madeira gelandet bin, ging es weiter. Der Mietwagen war schnell geholt, die Gastgeberin des Appartements, eine Seele von Mensch, schnell getroffen und das Appartement selbst ein kleines Paradies. Ein Paradies mit Aussicht wohlgemerkt. So kann ich von hier aus genau auf den Atlantik blicken, während ich diese Zeilen schreibe.

Mein erster ganzer Tag auf Madeira neigt sich nun dem Ende zu und ich habe viel erlebt. Denn ich war zum ersten Mal Levada-Wandern und habe die kurvigen Bergstraßen der Insel kennenlernen dürfen. Für meine erste Tour habe ich mit den PR 6 und PR 6.1 – Die Levada 25 Fontes und die Levada do Risco ausgesucht. Zwei Wanderwege, die zu den Must-Sees auf der Insel gehören. Das zumindest behauptet jeder Reiseführer. Ob ich auch dazugehöre, lasse ich noch offen… Der Aufenthalt auf Madeira hat erst begonnen.

Madeira - die grüne Insel

Der Weg zur Levada 25 Fontes

Die Levada 25 beginnt auf einem Aussichtsplatz weit oben auf der Straße Richtung Rabacal. Leider konnte ich die Aussicht von dort nicht genießen, da mich eine dicke Wolkenschicht einhüllte als ich den Berg nach einer abenteuerlichen Fahrt erreichte. Abenteuerlich, weil die schmalen Bergstraßen nicht nur steil und kurvig sind, sondern zudem einem Flickenteppich gleichen. Schlaglöcher von 30-50cm Tiefe sind keine Seltenheit. Es erfordert viel Vertrauen in den rollbaren Untersatz, um diese Straßen zu befahren. Das Kopfsteinplaster am Ende des Weges ist eine willkommene und bekannte Abwechslung.

Auf dem Gipfel sieht man leicht, wo die Levada 25 Fontes beginnt. Sie ist zum Einen perfekt ausgeschildert, zum Anderen ist man bei dieser Levada-Wanderung nie wirklich alleine. Viele kleine Wandergruppen teilen sich den Weg und so muss man auch als Alleine-Reisende keine Angst haben, “verloren zu gehen”.

Wegweiser zur Levada 25 Fontes

Mit dem Shuttlebus zum Forsthaus Rabacal – oder doch nicht?

Bis zum Forsthaus von Rabacal gibt es zudem einen Shuttlebus, der die müden Wanderer gegen 3€ bzw. 5€ (Hin-und Rückfahrt) ein wenig abkürzen lässt. Auch wenn es auf dem Rückweg zum Berggipfel und meinem Mietwagn wirklich verlockend war, ebenfalls einfach auf das Shuttle zu warten, blieb ich eisern. Man kämpft ja schließlich bei einer Wanderung nicht gegen den Berg, sondern allenfalls gegen sich selbst und seinen inneren Schweinehund. Ich habe meinen besiegt und er wird sich vermutlich morgen mit einem netten Muskelkater bedanken. – Bitte, voll gerne!

Die Levada 25 Fontes und Levada do Risco

Rechts am Forsthaus vorbei beginnt dann der eigentliche Wanderweg. Doch bereits vorher kann man einige der 25 Quellen und kleinen Wasserfälle bestaunen. So führt der Weg über einen kleinen Bach, der nur über ausgelegte Pflastersteine überquerbar ist vorbei an ausgetrockneten Quellen hin zu den eigentlichen Levadas. Den bekannten Wasserläufen, die sich über die Ganze Insel ziehen.

Wasserkanal - Levada

Diese Kanäle begleiten mich meine ganze Wanderung über, währen dich durch die Fauna streife. Hin und wieder sehe ich riesige Feigenbaumblüten, Gänseblümchen und traumhaft schöne blaue Hortensien am Wegesrand stehen. Aber eigentlich ist es hier grün. Grün soweit das Auge reicht. Die Berghänge sind von leuchtend grünen Bäumen bewachsen, an den knorrigeren Ästen sorgt Parasiten-Moos für das nötige Grün. Während ich so den Wanderweg entlang gehe, stetig bergab, frage ich mich doch tatsächlich, warum eigentlich Irland “Grüne Insel” genannt wird. Madeira hätte diesen Titel mindestens genauso sehr verdient.

Ich laufe durch Baumtunnel, Treppenstufen hinab, schmale Pfade entlang – teilweise sind die gerade so breit, dass ich dort laufen kann. Immer werde ich begleitet von neugierigen Buchfinken, die hier deutlich blau gefärbt sind. Sie werden von den Wanderern gerne gefüttert und so sind die Finken so zutraulich, dass sie sogar bis auf die Hand springen. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Manchmal rieche ich den deutlichen Geruch von Ammoniak in der Luft. Das kann nur eines bedeuten: Es muss zahlreiche Fledermaushöhlen geben. Denn den Geruch kenne ich aus den malayischen Feldermaushöhlen nur zu gut.

Buchfink auf Madeira

Sonst nehme ich nur den leichten Nieselregen und die frische Bergluft nach. Es ist feucht-warm hier oben und schon bald beginne ich zu schwitzen.
Irgendwann erreiche ich die Weggabelung. Rechts geht es zum Risco-Wasserfall. Links zu den 25 Quellen. Wohin soll ich zuerst? Die letzen 2 km haben sich gezogen und ich frage mich, wenn ich den selben Weg wieder zurück muss, geht mir für die zweite Strecke vielleicht die Kraft aus? – Egal. Ich entscheide mich für die Levada 25 Fontes. Genauso wie gefühlt alle anderen Wanderer. Beim Quellsee angekommen stehen mindestens 40 weitere Abenteurer mit mir auf den Steinen. Ich mache ein kurzes Picknick und ein Foto und sehe zu, dass ich schnell wieder von hier weg komme. Viel zu viele Menschen. Zum Glück hatte sich das auf dem Wanderweg gut entzerrt, sodass ich tatsächlich einige Abschnitte komplett alleine laufen konnte. In Stille. In meinem Tempo.

Nun beginnt der harte Teil der Wanderung. Die 400 Höhenmeter die ich noch recht entspannt hinuntergelaufen bin, wollen nun wieder erklommen werden. Schön, wenn man mal wieder spürt, wie laut das eigene Herz schlagen kann, wie es gleichmäßig, wenn auch etwas schneller Blut durch die Venen pumpt. Ich fühle mich gleich lebendiger. Schwitzend erreiche ich abermals die Weggabelung und ich entscheide mich dafür, den 1 km bis zum Risco Wasserfall kurzerhand doch noch zu laufen. Eine gute Entscheidung.

Levada do Risco – Der Wasserfall

Der Weg zum Risco Wasserfall ist ebenerdig und eine Wohltat für die Waden. Genau die Pause, die ich nun gebraucht habe. Ich bin froh, dass ich mich für diese Reihenfolge entschieden habe, denn ich bin fast alleine auf dem Wanderweg und kann jeden Schritt genießen. Als der riesige Wasserfall vor mir auftaucht bin ich in Hochstimmung. Fantastisch. Noch toller finde ich, dass am gegenüberliegenden Berghang offensichtlich ebenfalls Levada Pfade entlang führen. Direkt in eine Höhle hinein. Leider ist der Weg gesperrt. Die Abenteurerin in mir hatte sich schon gefreut.

Ich mache mich also auf den Rückweg. Knappe 300 Höhenmeter warteten auf mich. Als das Shuttle den Berg hinauf an mir vorbeirauscht, werde ich fast ein wenig neidisch, doch verschiebe den Gedanken gleich wieder. Das Hochgefühl, das mich überkommt als ich die Schranke zum Parkplatz erblicke entschädigt für alles. Geschafft. Ich habe meine erste Levada Wanderung gemeistert.

Jetzt freue ich mich auf die Dusche und mache mich mit meinem Mietwagen auf dem Weg ins Tal. Kurz kommt mir der Gedanke: “Wann wurden die Bremsen eigentlich zuletzt gewartet?”

 

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